Ein Tattoo? Wer kann schon mit Sicherheit sagen, womit man für den Rest des Lebens der eigenen Haut verbunden sein möchte? Was, wenn die einst neue Flamme einen Neuen hat und mir „Gabi“ nicht mehr unter die Haut geht? Ich hatte also kein Tattoo, weil ich über nichts mit Sicherheit sagen konnte: Das gilt für den Rest des Lebens.
Meine Tochter Carolin hat früh angefangen zu zeichnen, Ihre Genauigkeit in der Beobachtung und Ausführung hatte ich nie, und sie ist die einzige meiner fünf Söhne und Töchter, der ich bei der Berufswahl reingeredet habe: „Mach, was immer Du willst, aber mach was aus Deinem Talent!“
Natürlich haben wir in den Jahren viel über Gestaltung gesprochen, Städte und Museen bereist, ich habe Sie bei manchen Aufgaben zurate gezogen, wir haben zusammen Entwürfe gemacht und Modelle gebaut. Als sie sich das Tätowieren beigebracht hat, um sich weitere Fertigkeiten und Ausdrucksformen zu erschließen, wusste ich: Wenn, dann von ihr.
Und dann kam die Idee: Ich hatte als Fünfjähriger an einem Zeichenwettbewerb teilgenommen, der Titel war: Was sich Kinder wünschen. Für meine Zeichnung mit vier Werkzeug-Männchen habe ich 1965 fünfzig Mark gewonnen, und den Zeitungsausschnitt der Süddeutschen habe ich heute noch, der Untertitel heißt: Florian Stolzenberger, 5 Jahre, wünscht sich einen Werkzeugkasten.
Den habe ich mir dann auch gekauft und mit dem Schmunzeln dieser Geschichte beschreibe ich den Beginn meiner beruflichen Identität. Diese Zeichnungen gehören untrennbar und einzig zu mir, sie sind schon lange unter meiner Haut, und es war eine Entscheidung von Sekunden, als ich Carolin fragte: „Was hältst Du davon, diese Zeichnungen…“
Von niemandem Anderen hätte ich mir dieses Tattoo stechen lassen, nicht vom besten Tattoo-Künstler der Erde und am Straßenrand irgendwo in Asien eher auch nicht. Und es war klar, dass ich mich auch auf Carolins Genauigkeit verlassen kann.